Kohärenz

Kohärenz ist eine der propagierten Begleiteffekte von Maharishis Meditation, aus der Siddhis und Weltfrieden abgeleitet wurden. Inzwischen wurde im Rahmen neuro-wissenschaftlicher Arbeiten und neuerer Messmethoden festgestellt, dass Kohärenz eine allgemeine Begleiterscheinung synchroner Gehirnfunktionen ist (s.u.).

Innere Medizin

In der Medizin existiert eine Kohärenz für eine optimale Synchronisierung der Rhythmen von Herzschlag, Atmung und Blutdruck(Herzkohärenz).

Physik

In der Physik bedeutet Koheränz  Frequenz- und phasengleiche Wellen, beispielsweise Laserlichtwellen, oder quantenmechanische Zustände.

Datentechnik 

Quantenmechanische Kohärenz  wird für den Quantenschlüsselaustausch von per Quantenkryptografie übertragener Signale benötigt.

Signalanalyse

Kohärenz ist hier das  Betragsquadrat des normierten mittleren Kreuzleistungsspektrums.

Linguistik

In engerem Sinn der semantische Zusammenhang der Worte in einem Text; in einem weiteren Sinn umfasst der Begriff Kohärenz auch die syntaktischen Zusammenhänge zwischen Sätzen, zum Beispiel Anapher, Katapher.

Psychologie

Die Kohärenz (lat. cohaerere ‚zusammenhängen‘) ist ein wesentlicher Gesichtspunkt in der Psychologie und in der Psychiatrie, unter dem die formalen Denkabläufe von Patienten beurteilt werden (siehe Denkstörung).

Kohärenz bedeutet hier, dass der Gedankengang − abgesehen von den inhaltlich formulierten Gegenständen und Tatsachen − in sich logisch, zusammenhängend und nachvollziehbar ist.  Allerdings geht die fortgeschrittene Spiritualität in Richtung eines begriffslosen 'Denkens' (höheres Chit eines Ishvara).

Neurologie

Kohärenz von Gehirnwellen(in Wirklichkeit sind es gemessene Kopfhautströme - das Gehirn konnte bisher nur grob über Tomografie mit Kontrastmitteln beobachtet werden, neuerdings auch zusätzlich über Lasertechnik) ist ein modernes Thema in der Neurologie.  Im Gehirn interessiert man sich explizit für die zeitlich oszillierenden Anteile der elektrischen Aktivität. Die elektrischen Felder breiten sich vom Kortex durch das Gehirngewebe, den Liquor (Gehirnflüssigkeit), die Hirnhäute, den Schädelknochen und die Kopfhaut bis zu den Elektroden aus.

Hier ist Kohärenz ein präziser Begriff für den gemeinsamen Rhythmus (Phasen‑Synchronisation) zwischen zwei Orten. 

Kohärenz der EEG‑Signale wurde als Hinweis auf funktionelle Kopplung gedeutet, also darauf, dass Regionen zeitlich abgestimmt zusammenarbeiten.

Heute weiß man, dass Kohärenz eher eine Folge der Verbindungen und Signalstärke ist als eine notwendige Ursache der Kommunikation. Kohärenz entsteht einfach dadurch, dass einzelne Neuronen in einem Bereich aktiv sind und (synaptische) Impulse in anderen Bereichen erzeugen. Dadurch werden die elektrischen Signale in den einzelnen Bereichen auf vorhersehbare Weise kohärent.

Mit einer mathematischen Formel wurde bewiesen, dass Kohärenz keine Voraussetzung für Kommunikation, sondern vielmehr eine direkte Folge der anatomischen Verbindung zwischen zwei Hirnbereichen und der Signalstärke ist.

Bei Menschen wie auch bei vielen Tieren ist ein Sinn, eine neurobiologisch zentrale Empfindungsfähigkeit für aufbauende Kohärenz (stimmige Verbundenheit, innen oder z. B. auch im sozialen System) angeboren. Unser Gehirn folgt dem Organisationsprinzip der Selbstreferenzialität

* Die verbreitete Aussage, dass Menschen nur 5 % oder 10 % ihres Gehirns nutzen, ist ebenfalls ein falscher Mythos. Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass gesunde Menschen ihr gesamtes Gehirn nutzen, wenngleich nicht alle Areale zu jedem Zeitpunkt gleichzeitig mit maximaler Intensität aktiv sind. Selbst bei einfachen Aufgaben ist das Gehirn weitgehend ausgelastet. 

  • Bildgebende Verfahren (fMRT) zeigen, dass auch in Ruhephasen das gesamte Gehirn aktiv ist.
  • Energieverbrauch: Obwohl das Gehirn nur etwa 2 % der Körpermasse ausmacht, verbraucht es ca. 20 % der Energie. Evolutionär wäre es extrem unwahrscheinlich, ein so teures Organ zu besitzen, das zu 90-95 % ungenutzt bleibt.
  • Arbeitsteilung: Das Gehirn arbeitet in Netzwerken. Verschiedene Regionen sind für spezifische Aufgaben (Sehen, Hören, Denken) zuständig und werden je nach Bedarf aktiviert.
  • Schadensfolgen: Selbst kleine Verletzungen oder Schlaganfälle im Gehirn führen oft zu gravierenden Ausfällen, was beweist, dass es keine großen, ungenutzten „Reserven“ gibt

Die TM-Kohärenz

Kohärenz ist ein von der TM-Bwegung propagierter Faktor ihrer Meditation. Das Signalanalyse - Messverfahren wurde aber bisher nicht veröffentlicht ...! Besonders deutlich trete diese Kohärenz bei den Alpha-Wellen hervor, die im Frontallappen (»präfrontaler Cortex«), hinter der Stirn auftauchen. Die neuere neurologische Forschung hat die Gehirnkohärenz in andere Zusammenhänge gestellt  (s.o.) . Damit ist die geheime Bedeutung wohl vom Tisch.

Wenn von der TM-Bewegung erhöhte Kohärenz von Kopfhautströmen(!) beim Pseuofliegen (s.o.) angegeben wird, so handelt sich sich meiner Meinung nach um einen Schwindel, da der Körper während der Bewegung nicht entspannt ist und Messungen solcher Ströme genau wie echtes Schweben nie bewiesen wurden.

Das Fliegen wurde nie vorgeführt - auch nicht von Maharishi selbst - bei TM-Filmen geht es plötzlich (d.h. das Schaumgummihüpfen...). Die Elektroden müsste man ankleben oder einen speziellen Helm aufsetzen(was neuerdings geschieht). Papier ist geduldig und kann sich nicht wehren, und was von Aussagen von Interessenvertretern und Profiteuren zu halten ist, die beim Ausscheiden evtl. Probleme mit der Altersversorgung hätten.....(Inzwischen ist vieles per AI möglich, was viele Filmproduzenten schon lange aus Kostengründen anwenden.)

Bewusstsein ist ein umstrittener Begriff. Das Vedanta unterscheidet vier Bewusstseinszustände: Vaishvanara, den Wachzustand, den Taijasa, den Traumzustand, Prajñā und Turiya(das Vierte). Die Mandukya - Upanishade befasst sich ausführlich mit ihnen. Die dortigen vier Bewusstseins - Zustände (Avastha), die  auch im Shivaismus beschrieben werden, werden auch Jagrat, Svapna, Sushupti und Turiya genannt.  In den Yogasystemen werden auch noch weitere Stufen (Bhumikas) beschrieben.

* Der Durchschnittsmeditierende erfährt erst einmal das Chitta der Mentalebene. Erst der Shabda des wahren Samadhi beinhaltet einen Zustand nichtdualen Bewusstseins.

Maharishi propagierte dann später (im Rahmen seines Samadhi-Blöffs) sogar sieben, d.h. noch 3 höhere Bewusstseinszustände (Youtube-Videos) bis zum kosmischen Bewusstsein und dann zum Gottesbewusstsein, das wohl dem Ishvara-Bewusstsein der Stufe 19 des universellen Pfades entspräche, dessen Meister aber anders strukturiert sind als Maharishi, und das er meiner Auffassung nach selbst nicht hat. Danach komme noch das Einheitsbewusstsein (dazu : Principles of MVS) , das in den Veden unbekannt ist allerdings wohl im Siddhanta.

Mit Sicherheit bedeutet Kohärenz keinen Samadhi (als sog. fehlinterpretierten schnellen  vierten TM-Bewusstseinszustand) bzw. Turiya, der in Kombination mit Konzentration(dharana) und Meditation(dhyana) als Samyama die Voraussetzung für sog. Siddhis  ist,  vor deren  behindernder Wirkung Patanjali aber warnt. Nur ein ganz fortgeschrittener Yogi ist dazu in der Lage. Da hilft auch keine zum Samadhi hochgeredete Kohärenz mit Alpha-Tiefentspannungs-Wellen, deren Ausage sowieso zweifelhaft ist.

Inzwischen hat sich zumindest in der Neurologie  herumgesprochen, dass Gammawellen wohl relevanter sind, die nicht nur im Vipassana sondern auch beim luciden Träumen auftreten ( ganz abgesehen davon, daß fortgeschrittene Vajrayana-Mönche kein Vipassana sondern Mahamudra-Meditation, Dzogchen-Meditation und  spezielle Mantra-Meditationen praktizieren usw.).

* TM im Vergleich zu anderen Meditationstechniken (reine Propaganda)


Patanjali und die Yogasutras (Auszug)

Patanjalis Ashtanga-Yoga ist ein Prozess mit 7 Stufen(Bhumikas), der  grossenteils schon lange vorher in der Sandilya - Upanishade des Atharvaveda u.a. beschrieben wurde. Dieser 'achtfache Pfad'  wird auch im Yoga Yajnavalkya, in mehreren Upanishaden und in weiteren Schriften wie dem Devi Bhagavatam 7.35, in der Sivasamhita und in der Hathapradipika erläutert.

* Auch der heutige Shankara-Orden, dem die TM_Bewegung nicht angehört, vertritt den Stufenweg des Ashtanga-Yoga im Sinne eines universellen Pfades und verzichtet nicht auf die ersten drei Stufen :
"Ashtanga Yoga--Yama, niyam, aasan, praanayaam, pratyaahaar, dhaarnaa, dhyaan, samaadhi. Das sind die acht Glieder des Yoga. Ein Guru nimmt einen Schüler nacheinander durch diese. Dafür nimmt der Guru NICHTS von seinem Schüler. Er tut es aus Freundlichkeit und aus dem Gefühl heraus, etwas Gutes für seinen Schüler zu tun."  Shree Shankaracharya Swaroopanand Saraswati (The Illustrated Weekly of India, September 13, 1987)

Bei Patanjali steht in den Yogasutras III (Über die Übernatürlichen Kräfte: Vibhuti Pada ) :

* Von der Versenkung zur Sammlung (samyama)

4. Diese drei (dharana, dhyana, samadhi) werden zusammen als "Sammlung" (samyama) bezeichnet.

5. Deren Meisterung führt zur Weisheitsschau.

6. Sie wird auf die verschiedenen Bereiche  angewendet.

7. Diese drei (dharana, dhyana, samadhi) sind der innere Kern der früheren Aspekte des Yoga (d. h. yama, niyama, asana, pranayama und pratyahara)......

* Die Welt der yogischen Wirklichkeit

19. Wendet man die "Sammlung" (samyama) auf die Erfahrung hin, so erlangt man Wissen von den Gedanken anderer.
20. Nicht aber (erlangt man Wissen von) der Grundlage dieser (Gedanken), da sie nicht zum Objekt werden kann.
21. Wendet man die "Sammlung" auf die Erscheinung des Körpers hin, so wird die Kraft, die ihn wahrnehmbar macht, gebannt und die Verbindung zwischen dem Auge und dem Licht unterbrochen, und er wird unsichtbar......

44. Wendet man die "Sammlung" auf die grobe Gestalt, das Eigenwesen, die feine Gestalt, die Beziehung und die Sinnhaftigkeit der Elemente hin, so erlangt man Beherrschung der materiellen Welt.
45. Daraus entstehen die übernatürlichen Fähigkeiten, wie den Körper atomklein zu machen usw., Vollkommenheit des Körpers und die Unverletzbarkeit in den körperlichen Eigenschaften.

Teil IV : Über die Freiheit: Kaivalya Pada
A Die Natur und der Mensch

1. Die wunderbaren Fähigkeiten (siddhi) sind entweder angeboren oder sie entstehen durch (medizinische) Pflanzen, durch heilige Worte (Mantra), durch Askese oder durch Versenkung.

Wäre alles so einfach, dann wäre Indien das Land der Siddhas.  Gewisse siddhi-ähnliche Fähigkeiten finden sich auch im Bereich der okkulten Magie - d.h. auch ohne Erleuchtung. 

Unerklärt ist, wie die angebliche starke Kohärenz durch Tiefentspannung während der Meditation bei den verspannenden Schaumgummikontraktionen aufrechterhalten werden kann. Ich gehe daher persönlich von manipulierten Messungen(ala Popkornwissenschaft) aus, solange sie nicht von einer anerkannt  unabhängigen Institution beglaubigt wurden. Der verdrehte schnelle hervorgeholte Samadhi dient hier als Argument für baldige Siddhis wie das unbelegte Schweben etc..

== Literatur ==
  • Orme-Johnson, D. W.; Dillbeck, M. C.; Wallace, R. K.; Landrith, G. S. (1982). "Intersubject EEG coherence: Is consciousness a field?". International Journal of Neuroscience. 16: 203–209. doi:10.3109/00207458209147147.
  • Dillbeck, M. C., K. L. Cavanaugh, T. Glenn, D. W. Orme-Johnson, and V. Mittlefehldt. "Consciousness as a field: The Transcendental Meditation and TM-Sidhi program and changes in social indicators." The Journal of Mind and Behavior 1987; 8(1) 67–104. (presents five studies)
  • Dillbeck, M. C.; Banus, C. B.; Polanzi, C.; Landrith III, G. S. (1988). "Test of a field model of consciousness and social change: The Transcendental Meditation and TM-Sidhi program and decreased urban crime". The Journal of Mind and Behavior. 9 (4): 457–486.
  • Gelderloos, P., M. J. Frid, P. H. Goddard, X. Xue, and S. A.Löliger. "Creating world peace through the collective practice of the Maharishi Technology of the Unified Field: Improved U.S.-Soviet relations." Social Science Perspectives Journal 1988; 2(4) 80–94.
  • [2] Applications of Maharishi Vedic Science to Developmental Psychology, V. K. Alexander, 2005
== Vertiefende Webseiten ==
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